Erinnerungskultur

„Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 während der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages


 

Der Landkreis St. Wendel unterstützt den Aufbau einer Erinnerungskultur, die sich verantwortungsvoll mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Region auseinandersetzt. Gemeinsam mit Vereinen, Initiativen, Institutionen oder Einzelpersonen initiiert oder unterstützt der Landkreis zahlreiche Projekte, etwa:

 

  • Die Verlegung von Stolpersteinen vor den einstigen Wohnhäusern jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger (gemeinsam mit dem Verein Wider das Vergessen und gegen Rassismus)
  • Die jährliche Kranzniederlegung am einstigen Standort der St. Wendeler Synagoge in der Kelsweilerstraße sowie die Errichtung einer Gedenkstele an diesem Ort
  • Die Errichtung von „7 Orten gegen das Vergessen“ (gemeinsam mit dem Adolf-Bender-Zentrum), kleiner Plätze, ausgestattet mit Bänken und Informationstafel, die an die Geschichte jüdischer Bürger im St. Wendeler Land erinnern, stellvertretend für die Opfer des Nationalsozialismus in der Region stehen
  • Der Landkreis unterstützt Vereine, Forscher, Organisationen und Gruppen, die sich mit der NS-Zeit in unserer Region auseinandersetzen, informieren, aufklären, publizieren
  • Das Themenfeld „Erinnerungskultur“ wurde im BildungsNetzwerk St. Wendeler Land verankert – das Netzwerk verbindet außerschulische Lernorte und Bildungseinrichtungen
  • Der Landkreis St. Wendel ist seit September 2019 Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland

 

Zentrale Gedenkveranstaltung des Landkreises St. Wendel

Seit 2015 führt der Landkreis St. Wendel auf Initiative von Landrat Udo Recktenwald jährlich eine zentrale Gedenkveranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus durch – ein weiterer Mosaikstein der Erinnerungskultur in der Region.

2015: Der Historiker Bernhard W. Planz sprach über „Verfolgung während der NS-Zeit im Raum St. Wendel“, die Schülergruppe „Wendalinum wider das Vergessen“ stellte ihre Arbeit vor

2016: Klaus Brill, Journalist und Buchautor, referierte zum Thema „Jenseits von Auschwitz“, die Stolperstein-AG der Gemeinschaftsschule Türkismühle berichtete über ihr Wirken

2017: Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Saar-Ost, Gerhard Koepke, sprach zum Thema „Das Dritte Reich und die evangelische Kirche – regionale Perspektive“, die Schüler des Seminarfaches „Spuren von Krieg und Faschismus im St. Wendeler Land“ des Cusanus Gymnasiums St. Wendel referierten über ihre Projekte

2018: Hermann Scheid, Bürgermeister a.D., „Ein Zeitzeuge berichtet aus seiner Jugend im Nationalsozialismus“, Video-AG des AJG: Einführung und Vorführung Film „Zwischen Christuskreuz und Hakenkreuz. Eine Spurensuche zur Napola-Zeit des Missionshauses St. Wendel“

2019: Prof. Dr. Roland Rixecker hatte als Antisemitismusbeauftragter des Saarlandes seinen ersten öffentlichen Auftritt während der zentralen Gedenkveranstaltung des Landkreises St. Wendel und sprach zum Thema „Antisemitismus im Lichte der Verfassung und der Gesetze“). Zudem stellte das Seminarfach „Wendalinum wider das Vergessen“ des St. Wendeler Gymnasiums Wendalinum die Projektarbeit vor.

2020: Über „Das Lager Gurs und andere Stationen auf dem Schicksalsweg saarländischer Juden“ sprach der Historiker Dr. Dieter Wolfanger (der Vortrag zum Nachlesen), die Stolperstein-AG der Gemeinschaftsschule Türkismühle beteiligte sich ebenfalls am Programm und stellte ihre Arbeit vor


Ausstellung „Gurs 1940“: digitale Eröffnung, Ausstellung in der evangelischen Stadtkirche

Es war die erste Massendeportation von jüdischen Deutschen im Dritten Reich: Am 22.und 23. Oktober 1940 wurden über 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs (Frankreich) verschleppt – später wurden diese Vorgänge auch als „Wagner-Bürckel-Aktion“ bezeichnet, benannt nach Josef Bürckel, Gauleiter Saarpfalz, und Robert Wagner, Gauleiter Baden, von denen diese Maßnahmen ausgingen. Von dieser Deportation waren 134 Menschen aus dem Saarland betroffen, aus dem heutigen Landkreis St. Wendel acht.
Die Ausstellung „Gurs 1940“ dokumentiert dieses Ereignis und ihre Hintergründe aus überregionaler Perspektive. Sie wird bis zum 25. April in der evangelischen Stadtkirche St. Wendel zu sehen sein: Dienstag bis Donnerstag, 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr und sonntags von 10 bis 13 Uhr. Eine vorherige Anmeldung ist notwendig: Tel. (06851) 2500.
Am Sonntag, 25. April, 10 Uhr, ist im Rahmen eines Gottesdienstes eine Finissage geplant. Hier ist ebenfalls eine vorherige Anmeldung notwendig. Während der Finissage wird auch Landrat Udo Recktenwald sprechen. „Der Aufbau einer nachhaltigen Erinnerungskultur ist dem Landkreis St. Wendel seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen. Wir als Landkreis, als Verwaltung, sehen uns dabei als Initiator, Unterstützer und Partner bei der Erinnerungsarbeit, beim Aufbau und der Verankerung einer Erinnerungskultur, die sich verantwortungsvoll mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Region auseinandersetzt und den Opfern würdig gedenkt. Dass die überregionale Ausstellung ‚Gurs 1940‘ auch bei uns zu sehen ist, ist ein Mosaikstein unserer Bemühungen. Sie ist übrigens mobil, sie wird somit auch an weiteren Orten in unserem Landkreis gezeigt werden“, sagt der Landrat.

Erstellt wurde die Ausstellung von der Berliner Bildungs- und Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ im Auftrag der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie der „Arbeitsgemeinschaft badischer Städte und des Bezirksverbands Pfalz zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs“. Das Ausstellungsprojekt wird vom Auswärtigen Amt unterstützt und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Ausstellung öffnet in drei Bundesländern am 8. April. Ergänzt gibt es auch eine Webseite mit weiteren Informationen zu Gurs: www.gurs1940.de.

Im Landkreis St. Wendel erfolgt die Ausstellungseröffnung digital: Auf der Facebook-Seite des Landkreises sowie dem Youtube-Kanal hält der Historiker Dr. Dieter Wolfanger einen Vortrag zum Thema „Die Deportation der saarpfälzischen und badischen Juden am 22. Oktober 1940 in das französische Internierungslager Gurs“. Ergänzt wird das Video um Grußworte von Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes, und Landrat Udo Recktenwald.

Videos unter:
Facebook-Seite des Landkreises St. Wendel: https://de-de.facebook.com/Landkreis.StWendel

YouTube: https://youtu.be/nwbe8uxOEiE

Der Vortrag von Dr. Wolfanger zum Nachlesen