September 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

seit über einem halben Jahr herrscht Krieg in Europa. Ein verachtenswerter Angriffskrieg, ein Verstoß gegen das Völkerrecht, ein Angriff auf unsere Werte, auf unsere Ordnungsvorstellungen. Bilder zerstörter Städte, Dörfer, von Leid, Elend, Tod begleiten uns seit Monaten Tag für Tag. Viele Menschen fliehen aus dem Kriegsgebiet, suchen Schutz in anderen Ländern. Solange die Waffen nicht schweigen, werden es in den kommenden Wochen und Monaten noch mehr werden. Darauf sind wir im Sankt Wendeler Land vorbereitet. Geflüchtete, die in Deutschland ankommen, werden auf die Länder verteilt. Die Länder ihrerseits verteilen diese auf die Kommunen, die sich um den notwendigen Wohnraum kümmern müssen. Für viele Kommunen mittlerweile eine Herkulesaufgabe. Auch für die Gemeinden des Landkreises Sankt Wendel. Um unsere Kommunen zu unterstützen und zu entlasten, hat der Landkreis beschlossen, zwei Unterkünfte als Dependance zur Landesaufnahmestelle Lebach anzumieten. Dabei handelt es sich um ein Hotel in Oberthal für rund 100 Personen und in Bliesen für rund 30. Eine kurzfristige Unterbringungsmöglichkeit, da in der Landesaufnahmestelle mittlerweile kaum noch Platz zur Unterbringung ist. Wir springen ein, bis unsere Kommunen Wohnraum herrichten können. Ein Vorgehen, das wir mit dem saarländischen Innenministerium, der Kommunalaufsicht und natürlich unseren Kommunen abgestimmt haben. Dabei gehört dies nicht zu den Aufgaben des Landkreises, doch wollen und werden wir unsere Kommunen in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen. Da es eigentlich das Land sein müsste, das hier helfen müsste, erwarten wir entsprechende finanzielle Unterstützung.

Zwar müssen wir nicht um Leib und Leben fürchten, doch wirkt sich der Krieg in der Ukraine auch auf unser tägliches Leben aus. Energieengpässe sind eine dieser Auswirkungen. Auch der Klimawandel, den wir deutlicher denn je spüren, führt uns vor Augen, dass wir bewusster, sparsamer leben müssen. Wir alle sind gefragt, wir alle müssen unseren Beitrag leisten, um Energie einzusparen. Auch wir als Landkreisverwaltung. Dabei sind es oft einfachste Verhaltensmaßnahmen, die helfen, Energie einzusparen und unsere Geldbeutel zu schonen. Maßnahmen, die auch wir in unseren Gebäuden umsetzten, die jeder umsetzten kann. Ein Beispiel: Gemeinhin wird in geschlossenen Räumen eine Temperatur zwischen 20 und 22 Grad als angenehm empfunden. Wird die Raumtemperatur um ein Grad gesenkt, so können bis zu 6 Prozent Heizenergie eingespart werden. Programmierbare Heizthermostate sind dabei eine sinnvolle Anschaffung. Damit Räume nicht auskühlen, ist kurzes Stoßlüften gefragt, kein dauerhaftes Lüften. Geräte, die nicht gebraucht werden, müssen nicht im Stand-By-Modus sein, Licht muss nicht überall brennen, Türen müssen nicht überall geöffnet sein. Das spart Strom und Wärme. Bewusstes, verantwortungsvolles Handeln eines jeden einzelnen ist hierbei geboten, doch auch Gebäudeeigentümer können einen wichtigen Beitrag leisten, etwa durch regelmäßige Heizungswartung und richtige Heizungseinstellungen. Schließlich ist auch die politische Ebene gefragt: Wir müssen den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren, Energieeffizienzmaßnahmen, etwa Wärmedämmung, verstärkt umsetzen. Und wir müssen unabhängiger werden von fossiler und importierter Energie, die dezentrale und regionale Energieversorgung, etwa Nahwärmenetze, ausbauen, einen ausgewogenen Energiemix, also die Kombination verschiedener Energiequellen, anstreben.

Es sind herausfordernde Zeiten, in denen wir leben. Doch verzagen wir nicht, sondern tragen unseren Teil dazu bei, die großen und kleinen Herausforderungen zu bewältigen. Das schaffen wir gemeinsam – so, wie wir es im Sankt Wendeler Land immer tun!


Ihr Landrat
Udo Recktenwald