Tag des St. Wendeler Landes

Reichhaltig ist die Geschichte des St. Wendeler Landes. Verschiedene Herrschaften, verschiedene Landesherren, verschiedene politische Zugehörigkeiten. Jeder Ort hat seine Geschichte, jeder Ort wurde durch seine Vergangenheit geformt, wurde so zu dem, was er heute ist. Reich ist das Land auch an Menschen, die die Region, die Orte geprägt, hier ihre Spuren hinterlassen haben. Oder weiterhin prägen. Dem Erforschen der Vergangenheit, ihrer Höhen und Tiefen, ihrer Menschen und Orte, ihrer Wegemarken und Überreste widmen sich die Heimatkundevereine im Landkreis St. Wendel.

Sie leisten auf ganz unterschiedlichen Gebieten mit ihren Mitgliedern großartige Arbeit. Sie sind bemüht, Heimatverbundenheit der Bürger, Traditionsbewusstsein und Brauchtum zu fördern. Sie tragen zur Heimatpflege bei, klären uns auf, woher wir kommen, warum unsere Heimat wurde, wie sie ist.

Um diesen Vereinen ein Forum zu bieten, hat der Landkreis St. Wendel den "Tag des St. Wendeler Landes" ins Leben gerufen. Hier können sie ihre Arbeit, die Ergebnisse ihres Wirkens einem breiten Publikum vorstellen. Ergänzt wird die Veranstaltung um Vorträge und Darbietungen - eine Veranstaltung für jeden, der sich für das St. Wendeler Land, seine Geschichte, Kultur und Menschen interessiert.


1. Tag des St. Wendeler Landes 2010 - Heimat heute

Das Bosaarium am Bostlasee war am 26. September 2010 Ort des ersten Tages des St. Wendeler Landes. Die Veranstaltung begann mit einem katholischen Gottesdienst, umrahmt vom Eisenbahnorchester St. Wendel, dem Kinder- und Jugendchor St. Martin Neunkirchen/Nahe und einem Tanz der Gruppe La Volte aus Bosen.

In der Eventhalle konnte man sich über die Arbeit der Vereine informieren und alte Handwerkskunst zu bewundern. Zum Bühnenprogramm gehörten auch die „Dance Girls“ aus Selbach und die Trachtengruppe La Volte sowie das Comedy-Duo Langhals & Dickkopp. Rund ums Bosaarium präsentierten die Schlepperfreunde Wolfersweiler ihre Oldtimer-Traktoren.

Zudem gab es Podiumsdiskussionen: Den Anfang machte das Thema „Welcome to the Bostalsee - Tourismus im Sankt Wendeler Land“. Teilnehmer waren Landrat Udo Recktenwald, Bürgermeister Hermann-Josef Schmidt und Birgit Grauvogel von der Tourismus Zentrale Saarland.


Die anschließende Diskussion war überschrieben mit „Heimat heute“. Im Podium saßen Klaus Brill, Buchautor und Journalist, Hermann Scheid, Bürgermeister a.D., der Historiker Dr. Johannes Schmitt, und Herbert Schug, Ortsvorsteher von Überroth.


Die letzte Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit dem Thema „Mundart ade“. Teilnehmer: Johannes Kühn, Lyriker, Prof. Dr. Benno Rech, Studiendirektor i.R., Georg Fox, Mundartdichter, und Harry Hauch, Kulturdezernent beim Landkreis St. Wendel. Die Moderation übernahm Klaus Brill.

Für das leibliche Wohl sorgten die katholische und die evangelischen Frauengemeinschaft Bosen.



2. Tag des St. Wendeler Landes 2013 - Ein Tag für die Region, über Grenzen hinweg

Sie sind überall, allgegenwärtig, mehr oder minder deutlich wahrnehmbar: Grenzen. Politisch, geologisch, sprachlich, auch kulturell oder persönlich können sie sein. Grenzen verbinden und trennen, sind starr und dynamisch. Grenzen gab und gibt es im und um das St. Wendeler Land viele. Daher war „Grenzen“ das Motto für den 2. Tag des St. Wendeler Landes am Sonntag, 10. November 2013, in der Freisener Bruchwaldhalle.

Podiumsdiskussion zum Thema "Grenzen"

Getreu dem Motto der Veranstaltung drehte sich eine Podiumsdiskussion um 13.30 Uhr um das Thema Grenzen. Nicht nur die verschiedenen historischen Grenzverläufe des St. Wendeler Landes wurden angesprochen. Auch aktuelle Grenzen sowie Grenzüberschreitungen waren Thema. Die Moderation übernahm der gebürtige Alsweiler Buchautor und Auslandskorrespondent Klaus Brill. An der Diskussion beteiligten sich die Heimatforscher Bernhard W. Planz und Hans Kirsch sowie Harry Hauch, Landkreis-Dezernent für Bildung, Kultur und Ehrenamt. Passend zum Motto „Grenzen“ saß neben Landrat Udo Recktenwald sein Birkenfelder Amtskollege Dr. Matthias Schneider im Podium.

Denn die beiden Landkreise arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen zusammen, mit allen Vorteilen und Hürden, die eine grenzübergreifende Kooperation mit sich bringt. Grenzen überwinden, die Kräfte der beiden Landkreise bündeln, sich gegenseitig unterstützen, um so gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. In diesen Punkten waren sich die beiden Landräte während der Diskussion einig. Ein Beispiel sei, merkte Brill an, der Grenzgänger, das gemeinsame Magazin der beiden Landkreise. Recktenwald nannte zudem den damals geplanten Nationalpark, gemeinsame Unternehmertreffen und die Zusammenarbeit im Tourismus als weitere Felder grenzüberschreitender Kooperation. „Die ländlichen Regionen koppeln sich zunehmend von den Ballungsräumen, wie dem Rhein-Main-Gebiet, ab. Dies geht einher mit einem dramatischen Bevölkerungsschwund. Daher müssen wir gemeinsam unsere Stärken koordinieren“, mahnte Schneider an. „Die ländlichen Regionen müssen sich wirtschaftliche Nischen suchen und diese besetzen“, sagte Recktenwald.
„Die Landesgrenzen haben sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, und oft hat der Wille der Bevölkerung bei der Grenzziehung keine Rolle gespielt“, erläuterte Bernhard W. Planz. Die gemeinsame Vergangenheit der beiden Landkreise mit den unterschiedlichen Grenzverläufen zeige dies. Und wirke bis heute, auf unterschiedlichen Ebenen, nach, wie der Regionalforscher Hans Kirch an einem Beispiel ausführte: „Das Ostertal, das erst 1947 an den Landkreis St. Wendel angegliedert wurde, bekommt seinen elektrischen Strom weiterhin aus Rheinland-Pfalz.“
Grenzüberschreitungen seien für Schüler heutzutage keine Hürden mehr, merkte Harry Hauch, Dezernent für Bildung, Kultur und Ehrenamt im Landkreis St. Wendel, an: „Früher war ein Schüleraustausch mit einer französischen Schule schon etwas besonders, heute pflegen unsere Schulen Partnerschaften zu Schulen in ganz Europa.“
Doch berge nicht die scheinbar mühelose Überwindung von Grenzen im Zeitalter der Globalisierung die Gefahr, die eigene Identität zu verlieren, wollte Brill wissen. „Wenn man das Eigene, die eigene Identität und Kultur kennt und schätzt, so stellen Grenzsprünge kein Problem dar“, sagte Planz. Denn andere achten könne man nur, wenn man sich selber achte. Recktenwald: „Global geht nicht ohne regional, geht nicht ohne die Rückbesinnung auf die eigene Identität.“ Hierbei leisten die Heimatvereine einen wichtigen Beitrag, denn sie sind bemüht, Heimatverbundenheit, Traditionsbewusstsein und Brauchtum zu fördern. Und ihnen ist der Tag des St. Wendeler Landes gewidmet.

Mundartgottesdienst und Vorträge

Die Veranstaltung begann um 10 Uhr mit einem Mundartgottesdienst unter Beteiligung des Gospelchores Oberkirchen und der Bosener Tanzgruppe La Volte. In einem Nebenraum der Halle referierte Bernhard W. Planz über „Grenzen im Alten Reich“ – denn, so der Studiendirektor, die heutigen Vorstellungen von Grenzen waren bis weit in die Neuzeit hinein nicht das, was heute gemeinhin darunter verstanden wird. Gerade im St. Wendeler Land. Der Mundartdichter Johannes Kühn, auch jenseits der Landkreisgrenzen kein Unbekannter, laß aus seinen Werken „Zu Ende die Schicht“ und „Em Guguck lauschdre“. Anschließend beschäftigte sich Hans Kirsch in einem Vortrag mit dem Anschluss von 13 Gemeinden an den Kreis St. Wendel im Juni 1947. Ferner gab es von Gisela Müller Mundartgedichte zu hören.

Fotowettbewerb

Eigens für den 2. Tag des St. Wendeler Landes schrieb der Landkreis einen Fotowettbewerb aus. Gesucht wurden die interessantesten Interpretationen des Mottos „Grenzen“ – eine Jury wählte die interessantesten Beiträge aus, die während der Veranstaltung prämiert wurden. Den musikalischen Abschluss des 2. Tages des St. Wendeler Landes bildete das Hasborner Ensemble Die Brühllerchen mit einem bunten Potpourri.
Ganztags präsentierten sich die Vereine an zahlreichen Ständen. Neben dem Mittagessen ab 12 Uhr gab es auch Kaffee und Kuchen, angeboten von den Landfrauen des Kreises.



3. Tag des St. Wendeler Landes 2016 - Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land

"Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land" lautete das Motto des 3. Tages des St. Wendeler Landes. Ort war die Bosener Mühle am Bostalsee.

Die Bosener Mühle liegt zwischen Eckelhausen und Bosen und wurde ursprünglich als Getreidemühle 1850 erbaut. Nach mehreren Sanierungen erwarb 1972 der Landkreis St. Wendel die Mühle, 1980 wurde das Kunstzentrum Bosener Mühle eröffnet. Ausstellungen, Symposien und Veranstaltungen füllen das kulturelle Herz am Bostalsee mit Leben. Daneben hält das Zentrum mit seinen Kunstkursen und Workshops ein umfangreiches Angebot für Interessierte aller Altersklassen bereit. Großzügig und professionell eingerichtete Ateliers stehen den Kursteilnehmern zur Verfügung. Dozentinnen und Dozenten aus ganz Europa geben ihre Erfahrungen in den Kursen weiter. Hier ist vor allem das Keramikprogramm hervorzuheben. Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche Brennöfen, die Holz-, Gas-, oder Elektrobrand ermöglichen.

Heimatkundevereine des Kreises im Fokus

Moritz Hoffmann und Jacob Bläs, Karl Recktenwald und Albrecht Meydenbauer, Friedrich Ludwig Engel und Bernhard Cullmann, und viele mehr – sie alle haben sich in die Chroniken der einzelnen Orte im St. Wendeler Land eingetragen, ihre Namen sind in den Dörfern der Region noch gegenwärtig.

Diesen Persönlichkeiten ist der Tag des St. Wendeler Landes am Sonntag, 30. Oktober, ab 11 Uhr in der Bosener Mühle am Bostalsee gewidmet. Ein Tag, der nicht nur diese Personen im Fokus hat, sondern auch die Heimatkundevereine des Landkreises, die die Informationen zu „ihren“ Persönlichkeiten zusammengestellt haben. Denn die Vereine erforschen die Vergangenheit, halten Tradition und Erinnerung wach, tragen zur Identitätsstiftung bei.

Dabei ist die Situation jedes einzelnen Vereins unterschiedlich. Daher widmen sich drei Diskussionsblöcke während des Tages des St. Wendeler Landes der Situation der Vereine: Welche Arbeit leisten sie, was kann noch gemacht werden, was kann eher nicht (mehr) geleistet werden, und, nicht ganz unwichtig, wo könnte es finanzielle Unterstützung geben.

Vorträge zu Persönlichkeiten

Daneben gab es Vorträge zu Persönlichkeiten, die im St. Wendeler Land ihre Spuren hinterlassen haben: Der Philologe Dr. Alfons Klein sprach etwa unter dem Vortragstitel „In St. Wendel geboren – mit St. Wendel verbunden – in der Welt zuhause. Der Komponist und Kapellmeister Philipp Jakob Riotte und der Theologe und Kardinal Nikolaus von Kues“ über diese beiden bedeutenden Männer.

Keinesfalls unbekannt im St. Wendeler Land ist die Familie Bruch, untrennbar mit der Globus Handelskette verbunden. „Franz Bruch und seine Nachfahren. Geschichte und Gegenwart einer St. Wendeler Unternehmerfamilie“ lautete daher der Vortrag des Historikers Bernhard W. Planz.

Mit 16 Jahren wurde der jüdische Schüler Fritz Berl 1938 der Schule verwiesen. Die Projektgruppe „Wendalinum wider das Vergessen“ des St. Wendeler Gymnasiums Wendalinum hat die Geschichte ihres Einstiegen Mitschülers, der nach Palästina floh, aufgearbeitet und stellte ihre Ergebnisse vor.

Aus Hasborn kam der Bergarbeiter und Streikführer Nikolaus „Eckstein“ Warken, dessen Aktivismus auch über die Grenzen der Saarregion hinaus Widerhall fand. Der Theaterverein „Edelweiß“ Hasborn-Dautweiler führte Szenen aus einem Theaterstück zu „Eckstein“ auf.

1824 verbannte Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld seine Ehefrau Luise nach St. Wendel, das bis 1834 Regierungssitz des sachsen-coburgischen Fürstentums Lichtenberg war. Bis zu ihrem Tod 1831 lebte Herzogin Luise in der späteren Kreisstadt. Die stellvertretende Leiterin der ZDF-Redaktion Zeitgeschehen, Dr. Ulrike Grunewald, und der Historiker Dr. Josef Dreesen (Stadtarchiv St. Wendel) beleuchteten unter dem Titel „Herzogin Luise in St. Wendel – kritische Anmerkungen zu ihrem Schicksal“ das Leben Luises.

Ein Tag für die Region

Zum Abschluss des 3. Tages des St. Wendeler Landes gab es Musik in Mundart mit Charles Gräber und Band. Ein Tag für alle, die sich für das St. Wendeler Land, für seine reichhaltige Geschichte und Kultur interessieren.

Die Broschüre mit Informationen zu den Heimatkundevereinen, den vorgestellten Persönlichkeiten und zu den Referenten gibt es hier.


 

 

4. Tag des St. Wendeler Landes 2018 – Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel

Davon gibt es viele: Orte, an denen Geschichte gemacht wurde. Orte, die geschichtsträchtig sind. Orte, die von besonderer Bedeutung für die Einwohner der Dörfer, von Stadt oder Gemeinden im St. Wendeler Land sind. „Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel“ war daher das Motto des 4. Tages des St. Wendeler Landes, der erneut in der Bosener Mühle am Bostalsee über die Bühne ging.
Die teilnehmenden Heimatkundevereine haben Informationen zu für sie wichtigen Geschichtsorten zusammengetragen. Daraus ist eine Ausstellung entstanden, die während der Veranstaltung zu sehen sein wird. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Vereinen und Institutionen wurden auch kurze Filme gedreht, die die Geschichtsorte, aber auch Vereine kurz vorstellen und die auf der Internetplattform YouTube abrufbar sind. Dafür hat der Landkreis eigens einen Kanal eingerichtet: YouTube-Kanal des Landkreises St. Wendel.

Diskussionsrunden beschäftigten sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region: In einer ersten diskutieren Landrat Udo Recktenwald und Werner Feldkamp, Ehrenvorsitzender der Kultur-Landschafts-Initiative St. Wendeler Land (KuLanI), über die Bedeutung der Heimat für die Menschen, über das, was diese Heimat ausmacht, über Projekte, die die KuLanI mit ihrem Kulturprogramm durchgeführt hat. Das Bundesmodellvorhaben „Land(Auf)Schwung“, insbesondere das Projekt „Zukunft Dorf“, stand im Fokus einer zweiten Diskussionsrunde. Teilnehmer: Hermann Josef Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Tholey, Stefan Kunz (Land(Auf)Schwung) und Klaus Backes (Vereinsgemeinschaft Hasborn-Dautweiler).

Zudem erwarteten drei Vorträge die Besucher: Jörg Friedrich, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Türkismühle, hat gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern die Spuren jüdischen Lebens in der Gemeinde Nohfelden erforscht. Er berichtete, wie diese Geschichtsorte jungen Menschen vermittelt werden können. Über die neusten Ergebnisse der Forschung zum Marsheiligtum im Vicus Wareswald informierte Dr. Klaus-Peter Henz, Grabungsleiter im Wareswald. Aspekte der regionalen Baukultur behandelte der Architekt Bernd Brill und plädierte dabei für den Erhalt der Bauernhäuser, die Teil des kulturellen Erbes der Region sind.

Moderator: Willibrord Ney (Saarländischer Rundfunk); Musik: Klaudia Scholl und Monika Fuchs (Gesang) sowie Dorothee Henkes (Klavier)

Die Broschüre zum 4. Tag des St. Wendeler Landes gibt es hier.